Bug Out Bag: Dein Fluchtrucksack

Der Bug Out Bag ist ein individueller Fluchtrucksack, der im Notfall die wichtigste Ausrüstung zum Überleben beinhaltet. „To bug out“ bedeutet übersetzt etwa so viel wie: „sich hastig zurückziehen“. Der Bug Out Bag ist also ein transportabler und nach Möglichkeit immer gepackter Survivalrucksack, der in Krisensituationen eine plötzliche Flucht ermöglicht.

Was ist ein B.O.B und was nicht?

Ein solcher Bug Out Bag ist nicht dafür vorgesehen mehrere Wochen alle nötigen oder nützlichen Gegenstände mit sich herumzutragen. Der Bezeichnung „Survivalrucksack“ ist schon zu entnehmen, dass ausschließlich verschiedene Ausrüstungsgegenstände für so viele Krisensituationen wie möglich, komprimiert in einem Rucksack für den Notfall bereitstehen.

Der richtige Rucksack macht den Unterschied

Bei der Planung und Zusammenstellung des persönlichen Bug Out Bags liegt die Vermutung nahe mit dem wesentlichsten Bestandteil – dem Rucksack – anzufangen. Die Wahl des richtigen Rucksacks sollte jedoch zu den letzten Schritten bei der Beschaffung der Ausrüstung gehören. Das hat folgenden Grund:

Bei der erstmaligen Zusammenstellung der Ausrüstung folgt man instinktiv dem Grundsatz: „Je mehr, desto besser“, aber insbesondere beim Bug Out Bag gilt: „Weniger ist mehr“.

Packt man alle vermeintlich nützlichen Ausrüstungsgegenstände in den Survivalrucksack, wird dieser extrem schwer. Das verringert die Bewegungsfreiheit und zehrt zusätzlich wertvolle Kraft. Hätte man nun zuerst einen Rucksack ausgewählt, der möglicherweise als Bug Out Bag ungeeignet oder zu groß ist, verleitet zum Beispiel der vorhandene Platz wieder dazu mehr, möglicherweise sogar unnütze, Ausrüstung einzupacken. Daher ist es wichtig, zuerst die grundlegende persönliche Ausrüstung auszuwählen und danach den passenden Bug Out Bag.

Rucksäcke, die mit MOLLE&PALS bestückt sind, eignen sich beispielsweise hervorragend als Fluchtrucksack, denn dieses Tragesystem erlaubt es den persönlichen Rucksack, je nach Anforderung, mit zusätzlichen Taschen und Ausrüstung zu ergänzen.


Notwendige Survival-Ausrüstung

Den einen perfekten Fluchtrucksack gibt es nicht! Im Laufe der Zeit werden einige Gegenstände wichtiger als andere, möglicherweise entdeckt man neue Ausrüstung, die die alte ablöst, oder die persönlichen Anforderungen an den Bug Out Bag selbst ändern sich.

Was sich jedoch nie ändern wird, ist die Notwendigkeit der folgenden Survival-Ausrüstung:

Wasser

– Etwa 3 Liter Trinkwasser in mehreren dichtschließenden, wiederverwendbaren Behältern.

– Einen Wasserfilter, um Verunreinigungen und Keime aus einer potentiellen Trinkwasserquelle zu filtern.

Wasseraufbereitungstabletten um Wasser zu reinigen und zu konservieren.

(Jod und/oder Chlor)

– Einen flexiblen Schlauch zum Ansaugen von schwer reichbarem Wasser oder je nach Bedarf auch Benzin.

– Einen Faltkanister

Nahrung

– Notfallnahrung bzw. MRE (Meal, Ready to Eat)

– Energieriegel

– Angel-Set

– Notwendiges Geschirr (Spork, Edelstahlgeschirr)

– Campingkocher oder Kochsystem mit Hitzepack

Erste Hilfe

– Ein Erste-Hilfe-Kit mindestens nach DIN-Norm 13164

– Schmerzmittel

– Notwendige oder verordnete Medikamente

Wärme

– Einen Feuerstahl oder Magnesiumstab

– Wasserfeste Streichhölzer

– Ein Feuerzeug

– Watte (Taschentücher funktionieren auch)

Hygiene

– Eine Zahnbürste + Zahnpasta

– Seife

– Desinfektionsspray oder -tücher

Kleidung

– Festes und geschlossenes Schuhwerk – am besten Stiefel

– Einen Regenponcho

– Eine Kopfbedeckung (Hut, Kappe, Tuch) – Der Kopf muss vor Hitze und direkter Sonneneinstrahlung geschützt werden können.

Werkzeuge

– Ein Survivalmesser

– Eine robuste Säge

– Ein Multi-Tool

– Eine Taschenlampe mit Ersatzbatterien

– Leuchtstäbe

– Eine Rolle Panzertape

– Einen Kompass

– Eine Notsignal-Pfeife

– Ein kleines Taschenradio mit Batterien

Unterkunft

– Eine große Plane zur Errichtung eines provisorischen Zelts oder einen Biwaksack

– Einen Schlafsack, der auch für Temperaturen unter dem Gefrierpunkt geeignet ist

– Robuste Seile in verschiedenen Längen oder eines, das je nach Anforderung zerschnitten werden kann

Der Bug Out Bag ist kein Campingwagen, in den alles reingestopft wird, das irgendwie nützlich erscheint. Der Survivalrucksack sollte je nach Eintrittswahrscheinlichkeit eines gewissen Krisenzustandes auf die jeweiligen neuen Anforderungen angepasst werden. Die Auswahl der Ausrüstung muss gut durchdacht sein und sich sinnvoll ergänzen, damit die Krisensituation nicht durch unnötiges Gepäck oder fehlende Tools noch gefährlicher wird.

Im Downloadbereich findest Du meine Bug Out Bag Packliste als PDF-Dokument. Meine Packliste ist auf meine Anforderungen zugeschnitten und soll Dir lediglich als Leitfaden für deinen individuellen Fluchtrucksack dienen.

Molle & PALS – Das Tragesystem der Zukunft?

„Ein Molle zischen“ so heißt es im Großraum Berlin, wenn es darum geht ein Bier zu trinken. Molle ist aber weit mehr als ein kühles Blondes.

Das Molle Tragesystem

Den meisten ist das Molle-System bekannt, jedoch besteht dieses System aus weit mehr als den typischen Molle-Schlaufen. „Molle“ ist die Abkürzung für MOdular Lightweight Load-carrying Equipment. Zu Deutsch bedeutet das: Modulare leichtgewichtige Trageausrüstung. Das Molle-System wurde ab dem Jahr 1994 von der United States Army in Kooperation mit dem United States Marine Corp entwickelt. Ursprünglich besteht das Molle-System aus mehreren standardisierten Komponenten, wie zum Beispiel der Kampfweste, dem großen Rucksack sowie einem kleineren Kampfrucksack, dem Trinksystem, der Hüfttasche und diversen Zusatztaschen. Diese Funktionalität ermöglicht den Soldaten eine individuelle und perfekt auf den jeweiligen Einsatz abgestimmte Ausrüstung mit sich zu führen. Deshalb ist ein Rucksack, der mit diesem modularen Befestigungssystem ausgestattet ist, der ideale Bug Out Bag.

Step by Step – Zur Vorgeschichte

Das Molle-System und die Entwicklung funktionaler Tragesysteme ist nicht vom Himmel gefallen. Die steigenden Anforderungen an Ausrüstung und Tragesysteme sind die Triebfeder für Neuentwicklung und Optimierung. Als Beispiel: Im Jahr 1957 wurde das Tragesystem M1956 (LCE) eingeführt. 10 Jahre später wurde es überarbeitet und im Jahr 1974 von ALICE (All-purpose Lightweight Individual Carrying Equipment) abgelöst. Das Molle-System löste wiederum 1997 bei der United States Army das Vorläufersystem ALICE ab. Selbstverständlich unterwerfen auch andere Länder bis heute ihre Ausrüstung einer kritischen Betrachtung. Das “Projekt Idz” ist beispielsweise ein aktuelles Modernisierungsprogramm des Bundesheers und wird seit dem Jahr 2013 unter der Bezeichnung „Gladius“ an die deutsche Infanterie ausgeliefert.

PALS – Pouch Attachment Ladder System

Das PALS, zu Deutsch: Leiterförmiges Taschenbefestigungssystem ist das System, mit dem persönliche Ausrüstung befestigt wird und ist der Verbindungsmechanismus des Molle-Tragesystems.

PALS bezeichnet eine normierte Befestigungsbasis in vertikaler Schlaufenform, die in aller Regel aus Cordura besteht. Diese Schlaufen befinden sich unter anderem auf Rucksäcken, taktischen Westen und einer Vielzahl von Ausrüstungsgegenständen. An vielen Zusatztaschen und Ausrüstungseinheiten befinden sich zusätzlich eine oder mehrere vertikale Cordura-Streifen, die in die Schlaufen der Weste oder des Rucksackes eingeflochten und mit einem Druckknopf verschlossen werden. Das normierte Maß des PALS ermöglicht eine individuelle Zusammenstellung der Ausrüstung. Die Gurtbandbreite ebenso wie der Gurtbandabstand beträgt genau 25,4 mm (1 Zoll). Die Schlaufenbreite dagegen beträgt genau 38,1 mm (1,5 Zoll).

Nicht immer haben alle Ausrüstungsgegenstände sowohl PALS-Schlaufen als auch den Verbindungsstreifen. In diesen Fällen kommen sogenannte TecTie Straps zum Einsatz. Diese werden wie oben beschrieben ebenfalls durch die Schlaufen geflochten und bieten ebenso stabilen Halt wie die Kombi-Lösung.

Darüber hinaus existieren derzeit Tragesysteme, die wie das Molle-System funktionieren, jedoch nicht diesen Standard erfüllen.

Fazit

PALS ist ein auf Schlaufen basierendes Befestigungssystem, das für das Molle-Tragesystem entwickelt wurde. Diese Kombination ermöglicht eine individuelle und vor allem hochflexible Verbindung von Ausrüstungsgegenständen für verschiedene Einsatzmöglichkeiten. Das Molle-System ist keine ewigwährende Patentlösung für Tragesysteme, aber auch im zivilen Bereich des Trekkings, Campings oder diverser Survivalabenteuer erfährt das normierte Trage- und Befestigungssystem wachsenden Zuspruch aufgrund der hohen Flexibilität und Individualität.